Ach­tung Kul­tur! Wer­bung für einen Flug­platz

Eine Ode

Von Peter Waschin­ski

Es wächst – zwar lang­sam – nah der Stadt
ein Flug­platz. Daß in Bür­gers Gunst
und sonst er gutes Ansehn hat,
wird enga­giert, daß sie mit Kunst
ver­edelt, eine Agen­tur.
Sie legt sich mäch­tig in die Spur
und gibt dem Flug­platz schöns­te Fär­bung
mit Wer­bung.

Nicht schön genug, befin­det man.
Die Agen­tur, sie wird gefeu­ert.
Gleich holt man eine neue dann,
die gänz­lich das Kon­zept erneu­ert.
Was fehlt, wenn Bau­ar­beit ver­schleppt,
durch Fehl­pla­nung Elan ver­ebbt? / Was braucht’s, daß nicht’s noch mehr erlah­me?
Rekla­me!

Wenn nicht ganz recht erwählt der Ort
des Baus, weil Dauer-Lärmen stört,
wenn Bür­ger lie­ber zögen fort,
wenn Poli­tik nicht gern drauf hört,
wenn Plan aus Pan­nen nur besteht,
wie macht man’s, daß es trotz­dem geht?
Was stopft am Bau die Ris­se, wie?
Publi­ci­ty!

Wenn auch die schöns­te Rede nicht
den Bür­ger über­zeugt, daß die
Nacht­ru­he reicht – auch laut Gericht!,
wenn bei­de Chefs sich ihr Genie
im Dau­er­streit um Ohren haun,
daß alle Welt lacht beim Zuschaun,
was schafft dann bes­se­re
Vibra­ti­on?
Public Rela­ti­on!

Wenn zwan­zig Jah­re es noch dau­ert,
nur noch ein einz’ger Mau­rer dort
am Flug­platz vor sich hin noch mau­ert,
Scha­ma­nen tan­zen um den Ort
und mit Magie und Spi­ri­tis­mus,
beschwö­ren sie den Gigan­tis­mus,
was braucht dann Poli­tik für -Ismen?
Angli­zis­men!

Wenn immer wil­de­rer Pro­test
zuletzt in einem Auf­stand mün­det,
wenn Bür­ger­meis­ters letz­ter Rest
von Reno­mee im Klo ver­schwin­det,
wenn viel Mil­lio­nen täg­lich flie­ßen
und end­lich alle Schu­len schlie­ßen,
was ist dann nötig, was kann’s sein?
Neu­es Design

Geh’n Stadt und Land so mehr und mehr
zugrund‘ an die­sem Turm zu Babel,
bleibt’s doch Visi­on, so groß und hehr.
Umsonst reißt auf das Volk den Schna­bel,
umsonst müht sich der Spe­zia­list,
weil doch allein die Lösung ist:
Die Agen­tur macht Krum­mes gra­de
durch schö­ne Fas­sa­de!

Gehts um den Flug­platz? Geht’s um mehr?
Wenn’s an der Basis ist schon faul,
wenn bei Visio­nen, groß und hehr,
bleibt unbe­ach­tet Vol­kes Maul,
umsonst müht sich der Spe­zia­list,
dann dies allein die Lösung ist:
Die Agen­tur macht Krum­mes gra­de
durch schö­ne Fas­sa­de!

Und umso lau­ter krachts dann doch,
wenn die „New Airport“-Argumente,
ent­larvt als Spiritismus-Ente,
wenn man­che Spiritismus-Ente
wird zum „New Airport“-Argumente,
was braucht’s dann an Erklärungs-Ismen?
Angli­zis­men!

Wenn auch die schöns­te Rede nicht
den Bür­ger über­zeugt, daß die
Nacht­ru­he reicht, auch laut Gericht,
wenn lei­der frei sind von Genie
die Chefs, im Dau­er­streit dazu,
die gan­ze Welt schaut lachend zu,
was schafft dann bes­se­re Vibra­ti­on?
Public Rela­ti­on!

Die Agen­tur nur alles heilt
mit Image, gestylt!
Pot­jem­kin bringts, so laßt euch raten,
nicht Taten!

Waschinsky1