Mani­pu­la­ti­ons­ver­dacht in Schö­ne­feld – FBI for­dert Dienst­auf­sichts­ver­fah­ren gegen DFS-Cheflobbyist Nie­bergall

Ber­lin, 11. Novem­ber:
Der Ber­li­ner Nie­der­las­sungs­lei­ter der Deut­schen Flug­si­che­rung GmbH (DSF), Hans Nie­bergall (46), steht unter Ver­dacht, die Flug­rou­ten für den Haupt­stadt­flug­ha­fen BER mani­pu­liert und Bür­gern und Auf­sichts­be­hör­den wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen vor­ent­hal­ten zu haben.

Es sei nicht aus­zu­schlie­ßen, dass er Bür­ger in Ber­lin und Bran­den­burg über tat­säch­li­che Rou­ten­füh­run­gen mut­wil­lig getäuscht habe und damit Ver­ant­wor­tung für immer hef­ti­ge­re Pro­tes­te gegen den Flug­ha­fen tra­ge, so die Fried­richs­ha­ge­ner Bür­ger­initia­ti­ve gegen Flug­lärm anläss­lich einer Pres­se­kon­fe­renz am Frei­tag in Ber­lin. Es drän­ge sich zudem der Ver­dacht auf, Nie­bergall habe sei­nen Dienst­her­ren, das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um, zum Nar­ren gehal­ten und zudem der Flug­lärm­kom­mis­si­on wich­ti­ge Fak­ten für ihre Beur­tei­lung vor­ent­hal­ten. Dies alles mache ein Dienst­auf­sichts­ver­fah­ren gegen ihn unaus­weich­lich und hin­ter­las­se einen Scher­ben­hau­fen bei der Flug­rou­ten­pla­nung – gut ein hal­bes Jahr vor Inbe­trieb­nah­me von BER.

Der Bür­ger­initia­ti­ve lie­gen Bewei­se vor, dass Nie­bergalls Behör­de bereits vor Sep­tem­ber 2010 ins­ge­heim an der soge­nann­ten Müg­gel­see­rou­te gear­bei­tet habe, die­se aber ohne Emp­feh­lung der Flug­lärm­kom­mis­si­on erst am 4. Juli 2011 als bevor­zug­te Abflug­rou­te von Schö­ne­feld prä­sen­tier­te. Wäh­rend die Über­flug­plä­ne der Deut­schen Flug­si­che­rung im West­teil Ber­lins ein hal­bes Jahr zuvor durch Bür­ger­pro­tes­te und mit Unter­stüt­zung der Poli­tik gera­de noch recht­zei­tig gestoppt wer­den konn­ten, gelang dies für den Osten durch den von der DFS gewähl­ten spä­ten Bekannt­ga­be­ter­min bis­lang nicht. Im Gegen­teil: Nie­bergall reagier­te auf die immer hef­ti­ger wer­den­den Pro­tes­te im Süd­os­ten der Stadt, indem er die Müg­gel­see­flug­rou­te am 26. Sep­tem­ber 2011 als „alter­na­tiv­los“ dar­stell­te. Tat­säch­lich ist Nie­bergalls Behör­de aktu­ell damit beschäf­tigt, eini­ge erprob­te, geneh­mig­te und weit­aus weni­ger belas­te­te Alter­na­tiv­va­ri­an­ten zur Müg­gel­see­rou­te zu löschen und damit auch die For­de­rung von Klaus Wowe­reit und Frank Hen­kel nach alter­na­ti­ver Stre­cken­füh­rung zu ver­ei­teln. Ein­deu­ti­ge Leit­li­ni­en von Ange­la Mer­kel und Peter Ram­sau­er zum Umgang mit Ver­trau­ens­schutz der Bür­ger im Zusam­men­hang mit Schö­ne­feld igno­rier­te Nie­bergall bis­lang.

Beson­ders schwer­wie­gend könn­te sich auch ein mög­li­cher Ver­stoß gegen den § 32b des Luft­ver­kehrs­ge­set­zes (LuftVG) aus­wir­ken. Nie­bergall hat­te nach Bericht der Mär­ki­schen Oder­zei­tung vom 18. Okto­ber 2011 den Ver­tre­ter der Stadt Erkner in der Flug­lärm­kom­mis­si­on, Cle­mens Wol­ter, kon­tak­tiert und ihn zu einem „Ein­kni­cken“ bei der Müg­gel­see­rou­te bewegt. Die Stadt Erkner hat­te sich bis dahin ten­den­zi­ell gegen die Müg­gel­see­flug­rou­te aus­ge­spro­chen und eine Abflug­stre­cke ent­lang der Gose­ner Wie­sen favo­ri­siert, die laut Nie­bergall aber nicht mehr mög­lich sei. Die angeb­li­che Ent­las­tung der Stadt Erkner von Flug­lärm aus An- und Abflü­gen war von Nie­bergall stets das Haupt­ar­gu­ment für die Müg­gel­see­rou­te. Gemäß Luft­ver­kehrs­ge­setz hät­te Nie­bergall alle Ver­tre­ter der Flug­lärm­kom­mis­si­on über die bedeut­sa­men Ergeb­nis­se die­ser Unter­re­dung in Kennt­nis set­zen müs­sen – auch die Ver­tre­ter der Bran­den­bur­ger Gemein­de Neu­en­ha­gen. Für die­se führt die Müg­gel­see­rou­te zu mas­si­ven Dop­pel­be­las­tun­gen aus An- und Abflug.

Die Fried­richs­ha­ge­ner Bür­ger­initia­ti­ve setzt sich gegen die Behör­den­will­kür der DFS zur Wehr, weil durch sie eine Mil­li­on Men­schen in Ber­lin und Bran­den­burg zu plötz­li­chen Lärm­op­fern gemacht wer­den. Außer­dem zer­stört spe­zi­ell die Müg­gel­see­rou­te Berlin-Köpenicks Natur, ver­nich­tet Inves­ti­tio­nen in Mil­li­ar­den­hö­he und führt zu einem signi­fi­kan­ten Anstieg von Krank­hei­ten.

Am 19. Novem­ber rich­tet die FBI gemein­sam mit ande­ren Bür­ger­initia­ti­ven die ers­te BER-Großdemonstration unter dem Bran­den­bur­ger Tor aus. Demons­tran­ten aus Frank­furt, Mün­chen und Leip­zig wer­den sich in den Zug vom Pots­da­mer Platz zum Kanz­ler­amt ein­rei­hen.
Mot­to der Demo: „Nicht über unser Köp­fe hin­weg“.

Doku­men­te zur Pres­se­kon­fe­renz am 11.11.2011:
Pres­se­mit­tei­lung zur Pres­se­kon­fe­renz
Ein­lei­tung mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen
Vor­trag von Ralf Mül­ler und Dr. Fuld
Arti­kel von Prof. Behr­bohm „Demo­kra­tie in Gefahr“
Arti­kel von Prof. Behr­bohm zu Aus­wir­kun­gen des BER auf das Ber­li­ner Stadt­kli­ma
Ver­an­schau­li­chung der Über­flug­ge­bie­te über Ber­lin und Bran­den­burg am BER/BBI
Pla­kat zur Gross­de­mo am 19.11.2011

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