Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts. BER ist pla­ne­ri­scher Alb­traum an die­sem Stand­ort.

Berlin-Friedrichshagen, 18.12.2014

Heu­te ver­kün­de­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung zur Revi­si­on der Kla­ge der Natur­freun­de e.V., Lan­des­ver­band Ber­lin, und 8 Pri­vat­klä­gern zur Fest­le­gung der sog. Müg­gel­see­rou­te ohne Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung und im Wider­spruch zum Plan­fest­stel­lungs­be­schluss. Die Kla­ge des Umwelt­ver­bands und meh­re­rer Grund­stück­be­sit­zer wies der 4. Senat als unbe­grün­det zurück.

Der fal­sche Stand­ort BER sowie des­sen kata­stro­pha­le Aus­wir­kun­gen auf die gesam­te Regi­on zwan­gen die Klä­ger bis vor das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Und eine Poli­tik, der Weit­sicht und nach­hal­ti­ges Tun, das auch einer nächs­ten Genera­ti­on gerecht wür­de, abhan­den gekom­men ist.

Die Spre­cher der Fried­richs­ha­ge­ner Bür­ger­initia­ti­ve erklä­ren dazu:

Mit der heu­ti­gen Ent­schei­dung steht wohl fest: Es gibt kein staat­li­ches Pla­nungs­ver­fah­ren und auch kei­ner­lei Schutz­ge­biets­ka­te­go­ri­en, die dem Bür­ger die Gewähr bzw. den Ver­trau­en­schutz garan­tie­ren, nicht mit Flug­ver­kehr oder sogar einer Haupt­flug­rou­te über dem Kopf belas­tet zu wer­den.

Was im Stra­ßen­ver­kehr undenk­bar ist, dass z.B. über Nacht ein­fach das Schild „Tem­po 30“ abge­schraubt und durch das Schild „Auto­bahn­zu­fahrt“ ersetzt wird, ist im Luft­ver­kehr somit jeder­zeit recht­mä­ßig.

Es muss daher künf­tig nicht mehr um ein­zel­ne Flug­rou­ten gerun­gen wer­den, son­dern grund­sätz­lich um die Pla­nungs­pri­vi­le­gi­en der Luft­fahrt in Deutsch­land. 

Ein­mal mehr erweist sich der Stand­ort BER als falsch, da er letzt­lich nur die „Wahl zwi­schen Pest und Cho­le­ra“ für Hun­dert­tau­sen­de bedeu­tet. Unzäh­li­ge Gut­ach­ten und Stu­di­en bele­gen die schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf Mensch und Natur.
Die heu­ti­ge Ent­schei­dung belegt auch, dass eine Grob­pla­nung von Flug­rou­ten in Plan­fest­stel­lungs­be­schlüs­sen voll­stän­dig über­flüs­sig für die Betrach­tung der Aus­wir­kun­gen ist und nur dazu geeig­net ist, die Bür­ger in die Irre zu füh­ren.

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Pres­se­er­klä­rung der Anwalts­kanz­lei Bau­mann:

Revi­si­on gegen OVG-Urteil zur
Flug­rou­te über den Müg­gel­see
zurück­ge­wie­sen


Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­wei­gert Anru­fung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt (BVerwG) hat mit Urteil vom heu­ti­gen Tage die Revi­si­on der Natur­freun­de Ber­lin e.V. und meh­re­rer Ein­woh­ner Ber­lins gegen ein Urteil des OVG Berlin-Brandenburg zurück­ge­wie­sen. Das OVG Berlin-Brandenburg hat­te die umstrit­te­ne Flug­rou­te vom künf­ti­gen Flug­ha­fen Berlin-Brandenburg über den Müg­gel­see in ers­ter Instanz als recht­mä­ßig ange­se­hen, hier­ge­gen hat­ten die durch die Kanz­lei Bau­mann Rechts­an­wäl­te ver­tre­te­nen Klä­ger die vom OVG zuge­las­se­ne Revi­si­on zum BVerwG ein­ge­legt.

Rechts­an­wäl­tin Fran­zis­ka Heß (Fach­an­wäl­tin für Ver­wal­tungs­recht) ist von der Ent­schei­dung des Gerichts ent­täuscht:

„Das BVerwG hat lei­der die Gele­gen­heit nicht genutzt, das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in die Zuver­läs­sig­keit behörd­li­cher Ent­schei­dun­gen wie­der­her­zu­stel­len. Die Müg­gel­see­rou­te ist eine voll­stän­di­ge Abkehr von wesent­li­chen Grund­an­nah­men, die der Ent­schei­dung für die Rea­li­sie­rung eines Groß­flug­ha­fens am Stand­ort Schö­ne­feld zugrun­de lagen. Vor allem die Bevöl­ke­rung Ber­lins wird nun mit erheb­li­chem Flug­lärm über­zo­gen, dem sie nach den Aus­sa­gen im Aus­bau­ver­fah­ren gera­de nicht aus­ge­setzt wer­den soll­te. Zugleich wird das größ­te tra­di­tio­nel­le Nah­erho­lungs­ge­biet im Ber­li­ner Osten, das eigent­lich nach der Lärm­ak­ti­ons­pla­nung des Lan­des Ber­lin auch künf­tig ein sog. Ruhi­ges Gebiet blei­ben soll, ver­lärmt und die dort vor­han­de­nen, euro­pä­isch geschütz­ten Natur­schutz­ge­bie­te wer­den beein­träch­tigt. Ob die­se Aus­wir­kun­gen recht­mä­ßig sind, hängt unter ande­rem auch von der Inter­pre­ta­ti­on vor­ran­gi­ger euro­päi­scher Rechts­vor­schrif­ten ab. Völ­lig unver­ständ­lich ist für uns des­halb, dass das BVerwG hier­zu nicht den Euro­päi­schen Gerichts­hof (EuGH) ange­ru­fen hat, obwohl dies im Ver­fah­ren aus­drück­lich bean­tragt wur­de und eine kla­re Äuße­rung des EuGH zu den strit­ti­gen Fra­gen bis­her nicht vor­liegt.“

Dr. Hel­mut Jah­ne, einer der Klä­ger im Ver­fah­ren, ist mit der Ent­schei­dung nicht ein­ver­stan­den:

„Die Kon­se­quenz aus dem heu­ti­gen Urteil ist, dass Flug­hä­fen unter völ­lig ande­ren Vor­aus­set­zun­gen geplant wer­den dür­fen, als sie spä­ter betrie­ben wer­den. Da drängt sich doch die Fra­ge auf, wel­chen Sinn die Durch­füh­rung eines Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens mit Betei­li­gung der Öffent­lich­keit hat, wenn spä­ter dann die Flug­rou­ten ohne Rück­sicht auf die Annah­men in der Plan­fest­stel­lung letzt­lich belie­big fest­ge­legt wer­den kön­nen und völ­lig ande­re Gebie­te ver­lärmt wer­den, als ursprüng­lich ange­nom­men. Nach inten­si­ver Aus­ein­an­der­set­zung mit allen Doku­men­ten der Plan­fest­stel­lung, des Lan­des­ent­wick­lungs­pla­nes, der Flug­rou­tenab­wä­gung usw. kann ich mir aus mei­ner Sicht nun kein Flug­ver­fah­ren mehr vor­stel­len, wel­ches noch mehr von allen ursprüng­li­chen Pla­nun­gen abweicht, in völ­lig ande­re Gebie­te führt, um Grö­ßen­ord­nun­gen mehr Men­schen mit Flug­lärm belas­tet und zudem in ihren Umwelt­aus­wir­kun­gen weni­ger betrach­tet wur­de als die Müg­gel­see­rou­te. Wenn die­se Flug­rou­ten­fest­set­zung nun recht­mä­ßig erfolgt ist, dann bedarf es zukünf­tig kei­ner­lei Grob­pla­nung und kei­ner­lei Pla­nungs­grund­sät­zen mehr, weil offen­bar jede belie­bi­ge Flug­rou­te zuläs­sig zu sein scheint. Ich füh­le mich als betrof­fe­ner Bür­ger von den Behör­den getäuscht und von der Jus­tiz im Stich gelas­sen. Wir wer­den jetzt die schrift­li­che Urteils­be­grün­dung abwar­ten und dann gemein­sam mit unse­ren Rechts­an­wäl­ten inten­siv einen Gang vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt prü­fen.“

Leip­zig, den 18.12.2014

gez.: RAin F. Heß/Fachanwältin für Ver­wal­tungs­recht

 

Zum heu­ti­gen Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in Leip­zig zur Kla­ge der Natur­Freun­de Ber­lin zum Abflug­ver­fah­ren für den Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg (sog. Müg­gel­see­rou­te) erklärt der stell­ver­tre­ten­de Lan­des­vor­sit­zen­de der Natur­Freun­de Ber­lin, Uwe Hiksch:

 

Natur­Freun­de prü­fen Gang zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Leip­zig, 18.12.2014 – Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, die Revi­si­ons­kla­ge der Natur­Freun­de Ber­lin abzu­wei­sen, wer­den die Natur­Freun­de wei­te­re recht­li­che Schrit­te prü­fen. Es ist nicht akzep­ta­bel, dass Flug­rou­ten will­kür­lich fest­ge­legt wer­den, ohne dass eine Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung statt­fin­den muss.

Die Natur­Freun­de wer­den sich auch wei­ter­hin dafür ein­set­zen, dass die Durch­füh­rung einer ordent­li­chen Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung und FFH (Flora-Fauna-Habitat)-Verträglichkeitsprüfung für die Fest­le­gung von Flug­rou­ten in Deutsch­land recht­lich ver­bind­lich vor­ge­schrie­ben wird. Mit der heu­ti­gen Ent­schei­dung ver­wei­gert das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Umwelt- und Natur­schutz­ver­bän­den grund­sätz­li­che Rech­te und Beteiligungs-möglichkeiten.

Auch die Wei­ge­rung des Gerichts, die­se grund­sätz­li­che Fra­ge zu einer Klä­rung an den Euro­päi­schen Gerichts­hof zu über­wei­sen, ist nicht akzep­ta­bel. Die Rich­ter haben mit ihrer Ableh­nung des Antrags der Natur­Freun­de euro­päi­sches Recht bewusst igno­riert. Die Natur­Freun­de Ber­lin müs­sen als aner­kann­ter Umwelt- und Natur­schutz­ver­band das Recht haben, zu mög­li­chen Aus­wir­kun­gen auf betrof­fe­ne Arten im Rah­men der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie Stel­lung zu bezie­hen. Die Natur­Freun­de wer­den prü­fen, ob gegen das Urteil des BVerwG vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Ein­spruch ein­ge­legt wer­den kann, da das Gericht durch sein Urteil die grund­sätz­li­chen Rech­te von Umwelt­ver­bän­den mas­siv ein­schränkt.

Mit einer Rei­he von Vor­la­ge­an­trä­gen haben die Natur­Freun­de das BVerwG gebe­ten, vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof klä­ren zu las­sen, ob eine zwin­gen­de Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung nach der Richt­li­nie 2011/92/EU (Umweltverträglichkeitsprüfungs-Richtlinie) in einem mehr­stu­fi­gen Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, wie z.B. der Fest­le­gung von Flug­rou­ten nach einem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss für einen Flug­ha­fen, vor­ge­schrie­ben ist. Wei­ter reg­ten die Natur­Freun­de an, vor dem EuGH zu prü­fen, ob nach Arti­kel 6. Abs. 3 der Richt­li­nie 92/43/EWG (Richt­li­nie zur Erhal­tung der natür­li­chen Lebens­räu­me sowie der wild­le­ben­den Tie­re und Pflan­zen – Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) die Betei­li­gung von Natur- und Umwelt­ver­bän­den zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist, da durch die Fest­le­gung eines Flug­ver­fah­rens erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf Erhal­tungs­ge­bie­te wie die FFH-Gebiete und Natura-2000-Gebiete im Bereich des Müg­gel­see bestehen. Wei­ter reg­ten die Natur­Freun­de an, zu prü­fen, ob Art. 9 Abs. 3 des Aarhus-Übereinkommens im Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie), Anwen­dung bei Flug­ver­fah­ren Anwen­dung fin­den muss, damit Natur- und Umwelt­ver­bän­de ihr im Aarhus-Übereinkommen zuge­si­cher­tes Recht auf Zugang zu ver­wal­tungs­be­hörd­li­chen oder gericht­li­chen Ver­fah­ren haben, um umwelt­be­zo­ge­ne For­de­run­gen durch­set­zen zu kön­nen. Ein vier­ter Vor­la­gen­an­trag for­der­te die Prü­fung vor dem EuGH, ob bei der Fest­le­gung von sog. Ruhi­gen Gebie­ten ein Ver­fah­ren nach Art. 8 Abs. 1 Satz 2 der Richt­li­nie 2002/49 EG (Richt­li­nie über die Bewer­tung und Bekämp­fung von Umge­bungs­lärm) vor­ge­nom­men wer­den muss, da dort fest­ge­schrie­ben ist, dass eine Ver­schlech­te­rung des Lärm­ni­veaus in einem Ruhi­gen Gebiet zu ver­mei­den ist.

Die Natur­Freun­de Ber­lin wer­den sich aktiv für die Siche­rung der Rech­te von Umwelt­ver­bän­den bei öffent­li­chen Pla­nun­gen ein­set­zen und die vom BVerwG ver­tre­te­ne Mei­nung, das Natur- und Umwelt­schutz­ver­bän­de kei­ne umfas­sen­de Mit­wir­kungs­mög­lich­kei­ten bei öffent­li­chen Pla­nun­gen, die die Umwelt­si­tua­ti­on ver­schlech­tern hät­ten, nicht akzep­tie­ren. Sie wer­den für eine Umset­zung euro­päi­schen Rechts auch in Deutsch­land strei­ten und ihr Recht, bei der Fest­le­gung von Flug­rou­ten ange­hört zu wer­den und gegen fal­sche Fest­le­gun­gen von Flug­rou­ten vor­zu­ge­hen, ver­tei­di­gen.

Mit der heu­ti­gen Ent­schei­dung wird eine fach­lich nicht zu ver­ant­wor­ten­de und den Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zuwi­der­lau­fen­de Flug­rou­te nach­träg­lich legi­ti­miert. Die Pla­nun­gen und Ver­spre­chun­gen, mit dem neu zu bau­en­den Flug­ha­fen ein metro­po­len­ab­ge­wand­tes Flug­ver­fah­rens­kon­zept durch­zu­set­zen, wur­den igno­riert. Der geplan­te Flug­ha­fen BER wird über 900 000 Betrof­fe­ne durch Flug­lärm ter­ro­ri­sie­ren. Die Natur­Freun­de Ber­lin wer­den sich mit die­ser Ent­wick­lung nicht abfin­den und Mög­lich­kei­ten einer Ver­hin­de­rung die­ses pla­ne­ri­schen Alp­traums suchen.

 

 

 

 

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