Neu­es Gesetz macht Pri­vat­grund­stü­cke zu Über­schwem­mungs­ge­bie­ten – Betrof­fe­ne wer­den nicht infor­miert

Zahl­rei­che Pri­vat­grund­stü­cke, unter ande­rem am Müg­gel­see, an der Müg­gel­spree, im Erpe­tal und in Rahns­dorf, wur­den von der Ber­li­ner Ver­wal­tung  zu  “ vor­läu­fig gesi­cher­ten Über­schwem­mungs­ge­bie­ten“ dekla­riert. Für die­se Gebie­te, die laut Was­ser­haus­halts­ge­setz am Jah­res­en­de fest­ge­setzt wer­den sol­len, gel­ten beson­de­re Vor­schrif­ten: Laut Para­graf 78 des Geset­zes besteht für die dekla­rier­ten Gebie­te ein Ver­bot, dort dau­er­haft Gegen­stän­de abzu­le­gen, die im Über­flu­tungs­fall den Was­ser­ab­fluss behin­dern bzw. fort­ge­schwemmt wer­den könn­ten. Das bedeu­tet, dass  Pri­vat­grund­stü­cke in den dekla­rier­ten Gebie­ten ab sofort nur noch per Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung bebaut wer­den dür­fen. Selbst das Anpflan­zen einer Hecke bedarf nun einer Geneh­mi­gung. Bekannt gemacht wur­de die­ser Sach­ver­halt nicht etwa von der zustän­di­gen Behör­de, son­dern durch einen Arti­kel in der Ber­li­ner Mor­gen­post vom 29.07.2013.

Bür­ger­infor­ma­tio­nen sind Fehl­an­zei­ge

Obwohl die betrof­fe­nen Grund­stü­cke nun dras­tisch an Wert ver­lie­ren, hält es die Ber­li­ner Senats­ver­wal­tung nicht für nötig, die betrof­fe­nen Bür­ger aus­rei­chend zu infor­mie­ren, z. B. durch ein per­sön­li­ches Anschrei­ben. Bei der ein­zi­gen Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung und Umwelt­schutz an der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft im  Juni 2013 erschie­nen daher ledig­lich 50 Bür­ger. Aus dem Arti­kel der Ber­li­ner Mor­gen­post ging klar her­vor, dass es sich dabei kei­nes­wegs um Des­in­ter­es­se der Bür­ger han­delt:

Wir haben die Sache bewusst nicht publik gemacht“, gestand Mat­thi­as Rehfeld-Klein vom Fach­be­reich Was­ser­wirt­schaft damals dem erstaun­ten Publi­kum, „sonst wer­den wir von Anfra­gen über­rollt und krie­gen die Sache nie unter Dach und Fach.“

Infor­ma­tio­nen zu den neu­en Über­schwem­mungs­ge­bie­ten fin­den sich ledig­lich ver­steckt auf der Web­sei­te der Senats­ver­wal­tung für Stadt­ent­wick­lung. Da gera­de vie­le älte­re Leu­te das Inter­net nicht nut­zen, haben sie nur wenig Mög­lich­kei­ten, sich zu infor­mie­ren.

Bei den betrof­fe­nen Flur­stü­cken han­delt es sich kei­nes­wegs nur um Besit­zer von Vil­len­grund­stü­cken, son­dern um ganz nor­ma­le Wohn­häu­ser und Wochen­end­grund­stü­cke bzw. Klein­gar­ten­an­la­gen, wie Kuckucks­nest und Müg­gel­spree­ufer, die eigent­lich dau­er­haft als Wochen­end­grund­stü­cke gesi­chert wer­den soll­ten.

Wie auch schon bei der Pla­nung des BER deut­lich wur­de, scheint es ein übli­ches Vor­ge­hen der Ber­li­ner Behör­den zu sein, im Vor­feld sol­cher Neu­re­ge­lun­gen die betrof­fe­nen Bür­ger bewusst nicht zu infor­mie­ren, um Anträ­ge, Geset­ze und Ver­ord­nun­gen unbe­hel­ligt von jeg­li­cher Bür­ger­be­tei­li­gung zu beschlies­sen und die Betrof­fe­nen anschlie­ßend vor voll­ende­te Tat­sa­chen zu stel­len.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den neu dekla­rier­ten Über­schwem­mungs­ge­bie­ten:

Ueberschwemmungsgebiete in Treptow-Koepenick