State­ment FBI + PRESSEMITTEILUNG: EU-Kommission lei­tet Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren wegen Flug­rou­ten am BER ein – Beschwer­den von Bür­ger­ver­ein Fried­richs­ha­gen e.V., NABU Lan­des­ver­band Ber­lin e.V. und GRÜNE LIGA Ber­lin e.V. erfolg­reich

Berlin-Friedrichshagen, 31.5.2013

State­ment FBI:

Zur aktu­el­len Bericht­erstat­tung über das EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bun­des­re­pu­lik Deutsch­land erklärt die FBI

Die FBI hält es für unver­ant­wort­lich, wenn Umwelt- und Lärm­schutz­be­lan­ge von inter­es­sier­ten Krei­sen in den Medi­en erneut gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den. Die Müg­gel­see­rou­te endet nicht in der Natur- und Was­ser­schutz­re­gi­on Müg­gel­see, son­dern führt direkt in dicht besie­del­te Ber­li­ner Stadt­ge­bie­te. Die Müg­gel­see­rou­te hat daher 10 mal mehr vom Flug­lärm betrof­fe­ne Men­schen, als jede ande­re Rou­te am BER, selbst nach Anga­ben der Deut­schen Flug­si­che­rung. Die­se spricht von rund 850.000 neu ver­lärm­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­gern.

Bei Weg­fall der Müg­gel­see­rou­te wer­den daher weni­ger Men­schen vom Flug­lärm betrof­fen. Und weil dies so ist, wird die Müg­gel­see­rou­te auch vor Gericht beklagt. So gibt es durch­aus Mög­lich­kei­ten über dünn besie­del­tes Gebiet zu flie­gen, jedoch behaup­tet das Bun­des­amt für Flug­si­che­rung (BAF), dass weni­ger belas­ten­de Rou­ten zusätz­li­che Navi­ga­ti­ons­hil­fen erfor­dern wür­den, wozu sie kei­nen Auf­trag vom Bran­den­bur­ger Infra­struk­tur­mi­nis­te­ri­um (MIL) hät­ten.

Es ist unan­stän­dig, das aus­ge­rech­net von den Krei­sen, die den Flug­ha­fen in dicht­be­sie­del­tes Gebiet gesetzt haben und dabei jeg­li­che Gefah­ren für Men­schen, Trink­was­ser und Umwelt aus­ge­blen­det haben, nun auf die Flug­lärm­be­las­tung hin­ge­wie­sen wird.

Die Ver­ant­wor­tung für die extrem hohe Belas­tung durch Flug­lärm und ande­re Emis­sio­nen in der BER-Umgebung tra­gen nicht die Anwoh­ner son­dern die Poli­ti­ker, die die­sen fal­schen Stand­ort gewählt haben.

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Gemein­sa­me Pres­se­er­klä­rung von Bür­ger­ver­ein Fried­richs­ha­gen e.V., NABU Lan­des­ver­band Ber­lin e.V. und GRÜNE LIGA Ber­lin e.V.  sowie der Kanz­lei Bau­mann Rechts­an­wäl­te vom heu­ti­gen Tage:

Die Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Uni­on hat am 30.5.2013 bekannt gege­ben, dass sie wegen der Neu­fest­le­gung der Flug­ver­fah­ren für den Flug­ha­fen Berlin-Brandenburg (BER) ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­lei­ten wird.

Grund hier­für ist, dass nach deut­schem Recht die Durch­füh­rung einer Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung sowie einer FFH-Verträglichkeitsprüfung bei einer Fest­le­gung von Flug­ver­fah­ren, die von ursprüng­li­chen Annah­men abweicht, nicht vor­ge­se­hen ist. Die Kom­mis­si­on folgt damit den von der Kanz­lei BAUMANN Rechts­an­wäl­te im Auf­trag des Bür­ger­ver­eins Fried­richs­ha­gen e.V., des NABU Lan­des­ver­band e.V. und der GRÜNE LIGA Ber­lin e.V vor­ge­tra­ge­nen Argu­men­ten und bean­stan­det die deut­sche Rechts­la­ge.

Frau Dr. Sig­rid Strach­witz, Vor­sit­zen­de des Bür­ger­ver­eins Fried­richs­ha­gen e.V., begrüßt die Ein­lei­tung des Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens: „Ich freue mich sehr über die­se Ent­schei­dung. Die Mit­glie­der unse­res Ver­ei­nes sind alle­samt von den neu­en Flug­ver­fah­ren betrof­fen. Wir haben uns seit der Ver­kün­dung der neu­en Flug­rou­ten­va­ri­an­ten erfolg­los sowohl an das Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung als auch an die Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de gewandt und uns bemüht, die­se dazu zu bewe­gen, die not­wen­di­gen Umwelt­prü­fun­gen durch­zu­füh­ren. Die deut­schen Behör­den sahen hier­für aller­dings kei­ne Ver­an­las­sung, obwohl unse­re Rechts­an­walts­kanz­lei aus­führ­lich die euro­pa­recht­li­chen Beden­ken dar­ge­stellt hat. Auch hier gilt ein wei­te­res Mal, dass beim Flug­ha­fen Berlin-Brandenburg erst die Bür­ger dafür sor­gen müs­sen, dass Recht und Gesetz gel­ten. Zur Not eben mit­hil­fe der EU-Kommission.“

Frau Anja Sor­ges, Geschäfts­füh­re­rin des NABU Lan­des­ver­band Ber­lin e.V., betont die grund­sätz­li­che Bedeu­tung des Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens: „Der NABU Lan­des­ver­band Ber­lin e.V. hat den neu­en Flug­ver­fah­ren und der Art und Wei­se
ihrer Fest­le­gung von Anfang an kri­tisch gegen­über­ge­stan­den. Zur Ein­rei­chung der Beschwer­de bei der EU-Kommission haben wir uns aber auch des­halb ent­schlos­sen, weil eine Fest­le­gung von Flug­ver­fah­ren ohne Umwelt­prü­fung, wie wir sie im Fal­le des Flug­ha­fens Ber­lin Bran­den­burg erle­ben muss­ten, ganz gene­rell nach deut­schem Recht zuläs­sig ist. Es ist sehr zu begrü­ßen, dass die EU-Kommission unse­rer Auf­fas­sung, dass alle Aus­wir­kun­gen eines Flug­ha­fen­aus­baus – und damit auch die erst durch die spä­te­re Flug­ver­fah­rens­fest­le­gung zu Tage tre­ten­den – in einer Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung und einer  FFH- Ver­träg­lich­keits­prü­fung bewer­tet wer­den müs­sen, nun in die­ser Deut­lich­keit bei­pflich­tet.“

Herr Ste­fan Rich­ter, Geschäfts­füh­rer der Grü­nen Liga Ber­lin e.V., ergänzt: „Die nach dem Euro­pa­recht vor­ge­schrie­be­nen Umwelt­prü­fun­gen sind kei­ne blo­ßen For­ma­li­en, die es abzu­han­deln gilt. Viel­mehr die­nen sie gera­de der vor­aus­schau­en­den Bewer­tung der Aus­wir­kun­gen umwelt­schä­di­gen­der Pro­jek­te und haben damit für die Zulas­sungs­ent­schei­dung eine ganz wesent­li­che Bedeu­tung. Des­halb ist es sehr kon­se­quent, dass die EU-Kommission die Vor­ge­hens­wei­se am Flug­ha­fen Berlin-Brandenburg, wo stark beleg­te Abflug­rou­ten plötz­lich über geschütz­te Natura-2000-Gebiete und Trink­was­ser­schutz­ge­bie­te geführt wer­den sol­len, nicht akzep­tiert. Wir begrü­ßen daher das Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und erwar­ten davon eine Stär­kung des Umwelt- und Natur­schut­zes in Deutsch­land.“

Rechts­an­wäl­tin Fran­zis­ka Heß (Fach­an­wäl­tin für Ver­wal­tungs­recht), die die Beschwer­de­ver­fah­ren zur EU-Kommission als auch das der­zeit anhän­gi­ge Kla­ge­ver­fah­ren gegen die so genann­te „Müg­gel­see­rou­te“ recht­lich betreut, erläu­tert die Fol­ge­run­gen aus der Ent­schei­dung der EU-Kommission: „Für uns ist es ein ganz wich­ti­ges Signal, dass die EU-Kommission wegen der Unver­ein­bar­keit des deut­schen Luft­ver­kehrs­rechts mit Vor­ga­ben der Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fungs­richt­li­nie und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie nun ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ein­lei­tet. Für uns ist dies gleich­zei­tig die Bestä­ti­gung, dass vor Fest­le­gung eines Flug­ver­fah­rens über den Müg­gel­see zwin­gend eine Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung hat­te durch­ge­führt wer­den
müs­sen. Die dies­be­züg­lich vom Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung im anhän­gi­gen Kla­ge­ver­fah­ren ver­tre­te­ne Rechts­auf­fas­sung, eine sol­che Prü­fung sei unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt erfor­der­lich, wird ersicht­lich von der EU-Kommission nicht geteilt. Nach den ein­deu­ti­gen Ver­laut­ba­run­gen der EU-Kommission gehen wir davon aus, dass das
Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren auch in eine Kla­ge zum Euro­päi­schen Gerichts­hof in Luxem­burg mün­den wird, sofern der deut­sche Gesetz­ge­ber hier die ent­spre­chen­den deut­schen Vor­schrif­ten nicht frei­wil­lig anpasst.“

2013-05-31_PM-EU-Kommission lei­tet Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren wegen Flug­rou­ten am BER ein

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Risiko-BER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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